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Hermes oder OpenClaw, der Gewinner hängt davon ab wem Sie vertrauen

Zwei Open Source Werkzeuge versprechen einen KI-Mitarbeiter, der Aufgaben per Chat erledigt. Wir haben die Hersteller beider Projekte genauer angesehen und erklären, was dahintersteckt, wo die Unterschiede liegen und was…

Sebastian Sieber

Sebastian Sieber

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Zwei Open Source Werkzeuge versprechen einen KI-Mitarbeiter, der Aufgaben per Chat erledigt. Wir haben die Hersteller beider Projekte genauer angesehen und erklären, was dahintersteckt, wo die Unterschiede liegen und was das für ein KMU bedeutet. 

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben abends kurz per WhatsApp: “Fass mir die heutigen Kundenmails zusammen und buche mir für morgen einen Tisch in meinen Lieblingsrestaurant.” Und ein Assistent erledigt das, auf Ihrem eigenen Server, ohne dass Ihre Daten bei einem fremden Anbieter landen. 

Genau das Versprechen sogenannte KI-Agenten. Zwei davon werden derzeit besonders oft genannt: Hermes Agent und OpenClaw. Beide sind kostenlos, beide sind quelloffen, beide können auf einem Server in der Schweiz oder lokal betrieben werden. Und beide werden gerne in einem Atemzug genannt, obwohl sie unterschiedliche Probleme lösen. 

Was ein KI-Agent überhaupt ist 

Ein Chatbot beantwortet Fragen. Ein Agent handelt. Er kann Dateien öffnen, im Internet recherchieren, Programme starten, E-Mails lesen und Termine eintragen. Sie sprechen mit ihm über WhatsApp Telegram, Teams, Mail oder Slack und er arbeitet im Hintergrund auf einem Server, den Sie kontrollieren. 

Der entscheidende Punkt:  

Der Agent hat Zugriff auf Ihre Systeme. Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen, was er kann. Man muss auch fragen, was er darf, wer ihn steuert, wer Ihn betreut und was passiert, wenn etwas schiefläuft. 

Hermes Agent: 

Der Mitarbeiter, der jeden Tag dazulernt. Hermes wird von Nous Research entwickelt, einem Labor, das selbst KI-Modelle trainiert. Das Besondere an Hermes ist sein Gedächtnis. Er merkt sich Fakten über Sie und Ihre Projekte und er schreibt sich selbst Anleitungen, wie er eine Aufgabe beim letzten Mal gelöst hat. Beim nächsten Mal geht es schneller und besser.  

Bildlich gesprochen, Sie stellen jemanden ein, der in der ersten Woche viele Fragen stellt, nach einem Monat aber weiss, wie Sie Ihre Offerten aufbauen und welche Kunden Sie wie ansprechen. 

Weitere Merkmale laut Hersteller: 

Einfache Installation. Ein Installationsprogramm für Windows und Mac, ein einziger Befehl für Linux. Keine Datensammlung. Hermes schickt nichts an Nous Research. Gespräche und Gedächtnis bleiben auf Ihrem Server. Die einzige Verbindung nach aussen geht zum KI-Modell, das Sie selbst wählen. Wer will, betreibt auch das Modell lokal. Sicherheit in acht Schichten. Gefährliche Befehle müssen zuerst freigegeben werden, bestimmte Dateien (etwa Passwortspeicher) sind grundsätzlich geschützt und wer den Agenten anschreiben darf, ist standardmässig auf niemanden eingestellt, bis Sie es ändern. 

OpenClaw Agent: 

Die Empfangshalle mit Sicherheitsschleusen OpenClaw sieht sich weniger als einzelner Assistent, sondern als Vermittlungsstelle. Ein zentraler Prozess, das sogenannte Gateway, verbindet Ihre Chat Apps mit einem oder mehreren KI-Agenten. Diese Agenten können OpenClaws eigener sein, aber auch fremde wie Codex von OpenAI oder Claude Code von Anthropic. 

Getragen wird das Projekt von der OpenClaw Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die mit über dreissig Organisationen zusammenarbeitet, darunter Microsoft, GitHub, NVIDIA und OpenAI. Das ist keine Garantie für Qualität, aber ein Hinweis darauf, dass das Projekt nicht von heute auf morgen verschwindet. 

OpenClaw für Teams gebaut: 

Abgestufte Rechte. Nicht jeder, der den Agenten anschreiben darf, darf dasselbe. Es gibt Leserechte, Schreibrechte und Verwaltungsrechte und was nicht ausdrücklich erlaubt ist, wird abgelehnt. Passwörter, die der Agent nie sieht. Sie können einen Zugangsschlüssel hinterlegen, den der Agent benutzen, aber nicht auslesen kann. Wer den Agenten austrickst, bekommt trotzdem nicht das Passwort.  

Kontrollierte Aktualisierungen. Es gibt einen konservativen Update Kanal für Betriebe, die keine Überraschungen wollen und einen schnellen für Leute, die immer das Neueste möchten. Öffentliche Fehlerliste. OpenClaw dokumentiert jede gemeldete Sicherheitslücke öffentlich. Ende August 2026 waren es über 600 Einträge. Das klingt erschreckend, bedeutet aber vor allem: Das Projekt wird intensiv geprüft, auch von Universitäten und die Fehler werden behoben. 

Der Punkt, den beide Anbieter offen zugeben: 

Beide Werkzeuge laufen ab Werk ohne Abschottung. Das heisst: Der Agent hat auf Ihrem Rechner / Server dieselben Rechte wie Sie selbst. Wenn jemand dem Agenten über eine präparierte E-Mail oder Webseite einen versteckten Befehl unterschiebt, kann er damit unter Umständen auf alles zugreifen, worauf Sie Zugriff haben. 

OpenClaw schreibt dazu:  

Die Schutzmechanismen sind standardmässig ausgeschaltet und müssen bewusst eingerichtet werden.  

Hermes formuliert es ähnlich: 

Gegen einen Agenten, der wirklich manipuliert wurde, hilft am Ende nur die Trennung auf Betriebssystem Ebene, also ein abgeschotteter Container. Beide bieten diese Abschottung an. Beide empfehlen sie für den ernsthaften Betrieb. Aber bei beiden müssen Sie sie selbst aktivieren. Das ist der Moment, in dem ein KI-Projekt in vielen KMU stehen bleibt. Das Werkzeug funktioniert, aber niemand traut sich, es mit echten Daten laufen zu lassen. 

Welcher ist nun aber der richtige ? 

Die ehrliche Antwort, Es kommt darauf an, wer den Agenten nutzt. 

Hermes passt perfekt, wenn eine Person (oder eine sehr kleine, sich vertrauende Gruppe) einen persönlichen Assistenten will, der mit der Zeit besser wird. Die Einrichtung ist einfacher, das Gedächtnis ist das stärkste am Markt und die Daten bleiben bei Ihnen. 

OpenClaw passt, wenn mehrere Mitarbeitende mit unterschiedlichen Rechten auf denselben Agenten zugreifen sollen, wenn Sie nachweisen müssen, wer was ausgelöst hat und wenn Ihnen wichtig ist, dass eine Stiftung statt eines einzelnen Unternehmens hinter dem Projekt steht. 

Ein Detail aus der Praxis, das Hermes selbst in seinen FAQ erwähnt: 

Nutzer, die von OpenClaw kommen, vermissen die Möglichkeit, verschiedene Agenten an verschiedene WhatsApp Gruppen zu binden. Bei Hermes braucht jeder Agent eine eigene Telefonnummer. Solche Kleinigkeiten entscheiden im Alltag oft mehr als die grosse Architektur. 

Was wir daraus mitnehmen 

Beide Projekte zeigen, wohin die Reise geht: KI, die nicht nur antwortet, sondern arbeitet. Und beide zeigen dieselbe Lücke. Die Technik ist da. Was fehlt, ist der Betrieb: die Frage, wer den Agenten einrichtet, wer die Abschottung aktiviert, wer die Rechte vergibt, wer nach dem Update prüft, ob noch alles läuft. 

Genau dort scheitern KI-Projekte in kleinen und mittleren Unternehmen am häufigsten. Nicht an der Software, sondern am Vertrauen und am Betrieb danach. 

Wenn Sie überlegen, einen KI-Agenten in Ihrem Unternehmen einzusetzen, sprechen wir gerne darüber, welches der beiden Lösungen zu Ihrer Situation passt und wie es so eingerichtet wird, dass Sie ruhig schlafen können. 

Stand: September 2026. Grundlage dieses Artikels sind die offiziellen Dokumentationen von Hermes Agent (Nous Research) und OpenClaw (OpenClaw Foundation) sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen auf arXiv. Beide Projekte entwickeln sich schnell. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor einer Entscheidung 

Sebastian Sieber

Über den Autor

Sebastian Sieber

Co-Founder von Solvea, verantwortlich für Technologie und Umsetzung. Seit über sechs Jahren arbeite ich in der operativen IT, heute als System Escalation Engineer bei care4IT in Zürich. Was ich empfehle, hatte ich vorher auch selbst schon im Einsatz.